Endlosersommer

Ein Tag in Tarifa

Bekannt als das Windsurf-Capital Europas, hat der südlichste Ort des Kontinents schon seit den ersten Tagen des Sports eine entscheidende Bedeutung gehabt. zu Kriegs Zeiten wurde die Gegend wegen ihrer strategischen Lage hart umkämpft. heute ist der Kampf nicht minder, wenn Surf Marken und Reiseanbieter sich hier präsentieren wollen.
Wer sich als ernst zu nehmende Marke behaupten will, für den ist eine sichere Präsenz in Tarifa ein Muss!
In der Hauptsaisson Mai-Oktober (!) ist Tarifa überlaufen von Pauschaltouristen. Handtuch an Handtuch an dem einen Stand und Kite an Kite an dem anderen.

In der Nachsaisson kommen dann die Langzeiturlauber, Aussteiger und Soulsurfer im Camper, Bully oder Multimog. Denn jetzt zeigt sich Tarifa von der attraktiven Seite: gesurft werden darf an jedem Stand, das campen auf dem Parkplätzen wird toleriert und der Wind kommt vorwiegend aus Nord-west (ponente). Zudem schickt der Atlantik häufig dicke Winterswells an die Küste. Durchschnittliche Temperatur: 15C (Wasser+ Luft)
Als Camper hat man einen entscheidenden Vorteil: man ist der erste und letzte am Spot, den man wohnt hier (oder da) und hat immer alles dabei.

So wird morgens die Bedingung gecheckt und entschieden was man wo ins Wasser tragen möchte.
Da der Wind heute mit 15kn noch nicht ernst zu nehmen ist, sich über Nacht aber ordentlich Wellen aufgebaut haben, wird das Longboard geschnappt und eine erste Session bei Las Dunas gewagt (bei Nordwinden DER Wavespot Tarifas). Wenn Swell, Tide und auch Windrichtung stimmen, können hier bis zu 300m Rides gefahren werden! Die lange Right bricht heute sogar hohl und dementsprechend sind viele Locals draußen. Ich wähle eine Section weiter unten, Vorteil: nur einige SUPs und der Weg ist kürzer. Geschmeidig schredder ich die Wand entlang mit der Hand durchs Wasser pflügend oder den Nosewalk üben.
Las Dunas
Am Nachmittag entscheiden wir uns, nach einem Snack, zum großen Stand Tarifas Los Lanches zu fahren, wo der Wind sideshore kommt und wenig böig. Hier finde ich schnell ein Abschnitt mit wenig Traffic. Bei soliden 20kn wähle ich denn 11er und das strappless Shortboard und ab geht’s zum Wavekiten! Wind von rechts, meine Favorite! Ein langer Schlag nach draußen um Höhe zu machen (draußen ist der Wind noch stärker) und dann Welle für Welle nach Lee zurück. Es Wellen da schaffe ich 3 Bottomturns und es gibt Wellen die mich auffressen und und ordentlich Wasser schlucken lassen. Der Swell hat noch zugelegt und die Wellen brechen länger aber der Wind nimmt allmählich ab, weshalb der ein oder andere Loop zum Einsatz kommt. Irgendwann ist aber der Wind zu schwach (oder der Kite zu klein)  und Höhe laufen wird zur Kür. „Diese eine Welle darf ich doch aber nicht verkommen lassen.“ denke ich und komme weit nach Lee. Höhelaufen am Strand? Walk of Shame? Das lässt mein Stolz nicht zu. Also noch einmal raus und auf eine Böhe hoffen, die auch kommt und mich zurück fahren lässt. Als ich die Halse setze, verliehr ich Druck und kann nicht umstellen. Also absetzen, ausrichten, Loopstart … Nada! Der Wind stirbt gänzlich und der Schirm dropt. Schwimmend erreichte ich den Stand irgendwo im Lee. Surfen ist und bleibt ein Sport mit der Natur. So trottet der einsame Cowboy mit seinem Gespann müde aber tapfer durch die sandige Wüste, im Rücken den Sonnenuntergang.
Zurück im Lager las ich mir Zeit, gönn mir eine Cerveca und lass  die Sachen trocknen. Während Ines das Abendessen kredenzt, Couscous-Tortilla, pack ich alles weg und sammel Holz für ein Lagerfeuer am Strand. Dafür müssen wir uns aber etwas verstecken, denn die Polizei sieht so etwas nicht gern.
Wer nach so einem Tag noch genug Puste in den Lungen hat, findet in Tarifa ein geeignetes Pflaster für Parties. Club of Wind, La Cueva oder etwas gehobener: Cafe del Mar? Die Auswahl ist vielfältig. Jedoch fängt alles erst nach Mitternacht an und geht bis 8 in der Früh, da will ich aber schon wieder in den Neo schlüpfen und Wellen schlitzen!
Tarifa ist wirklich ein Ort des Endlosen Sommers!!!

1 Kommentar

  1. Dirk und Lilo

    da schätzen wir doch unsere gute deutsche Sprache, die mehr ausdrücken kann wie diese „Fachausdrücke“ beim Surfen, okay ist cool, aber verstehen tun es nur die „Insider“
    Aber wenn`s weiter hilft, nur zu.
    Ansonsten seit sorgsam mit Euren sieben Leben, Wasser und Wind kann ein schlimmer Cocktail werden.
    Also immer ein Quäntchen Glück für Euch Wagemutigen…..
    Gruß die Eltern

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